Gedichte & Werke von Wilhelm Müller 1794 - 1827

* der Autor Wilhelm Müller geboren am 7.10.1794 in Dessau; einziger überlebender von sechs Kindern einer Dessauer Handwerkersfamilie. Nach dem Schulbesuch widmet er sich ab 1812 in Berlin philosophischen und historischen Studien. 1813 tritt er als Freiwilliger in das preußische Heer ein u. beteiligt sich an den Schlachten gegen Napoleon bei Lütten, Bautzen, Hanau u. Kulm. Im Anschluss an das Studium tritt er im Auftrag der Berliner Akademie der Wissenschaften eine ägyptenreise an, die ihn aber wegen der Pest in Konstantinopel zunächst nach Italien führt. 1819 Rückkehr nach Dessau, Tätigkeit als Gymnasiallehrer für Latein u. Griechisch. Kurze Zeit später wird er Bibliothekar der Hofbibliothek und 1824 zum Hofrat ernannt. Er stirbt am 1.10.1827 an einem Herzschlag. Seine Gedichte (z.B. "Der Lindenbaum" "Das Wandern ist des Müllers Lust" wurden im 19. Jahrhundert häufig vertont.

Alles zu seiner Zeit

Ach, wie treiben's doch die Narren mit den Weisen hier auf Erden!
Weiser, lern' zu rechter Zeit auch einmal ein Narr zu werden.

Juli

Auf kühlen Bergen, an des Meeres Strande,
Ist dir ein heitrer Gartensitz bereitet,
Nicht allzu eng', auch nicht zu weit verbreitet:
Man liebt sich einzuschränken auf dem Lande.

Ein junger Quell im Bett von weichem Sande
Ist zierlich durch die Gänge hingeleitet,
Bis er betrogen in ein Becken gleitet,
Das ihm versteckt der Blumenhain am Rande.

Da muß er, eingezwängt in schlanker Säule,
Aufsteigen aus dem runden Marmormunde,
Und auf der Höhe sich in Schaum zerstäuben.

Das Moosbett winkt zu mittäglicher Weile:
Es schlummert Alles, nur im klaren Grunde
Seh' ich die goldnen Fischlein Spiele treiben.