Stille lastet schwer, über der Landschaft.
Ab und an schreit ein Grashalm, auf der taubenetzten
Wiese.
Die Trauerweide nickt wissend und taucht dabei wippend
ihre Zweige in den Bach, sie macht Morgentoilette.
Ich gehe auf Schmarsow zu, Sand knirscht unter meinen neuen Schuhen,
die schmerzhaft, sich in meine Fersen beissen.
Ein mutiges Fröschlein, nicht grösser,
als eine zwei Euro Münze, kreuzt mutig meinen Weg,
kreuzt mutig unter meinen Schuhen hindurch,
nicht ahnend wie nahe am Tode vorbei
er gerade gehüpft ist.
Vor mir, taucht hinter der Kurve der alte Milchwagen auf, der
rostige, der den Krähen als Tränke dient und den Wildtauben als
Landeplatz.
Wildtauben?
Die Kropftaube und der Dragoner,
und die beiden Weissen sehen eher aus,
als wären sie aus dem Schlag meines Nachbarn.
Der Weg ist lang, zu FUSS mit neuen Schuhen, bin ich ihn sonst doch
nur mit dem Auto entlang gerast, in zwei Minuten.
Nun tragen mich meine Füsse und die morgendliche
Stille berührt mich, auf eigentümliche Weise,
Ich habe die letzte Kurve erreicht,
sehe schon das Wasserwerk, als Schmiddels Trecker mir
scheppernd und holpernd entgegenrappelt.
Beide haben schon bessere Tage gesehen.
Er blinkt mich mit dem Fernlicht an, und seine Hupe beisst mir
giftig ins Ohr. Er hält neben mir. "Frühschoppen fällt aus heut
morgen!"
"Soll ich dich nach Mieden mitnehmen?" Ich schüttele mit dem Kopf.
"Nein, ich gehe noch etwas spazieren, die Stille hört sich heute so
gut an."
Er sieht mich mit grossen Glubschaugen an, rümpft die Nase und
schreit kopfschüttelnd: "Die spinnen, die Hamburger!", und zeigt mir
einen Vogel.
Dann legt er mit heftigem Knirschen einen Gang ein, zuckt mit den
Achseln und schüttelt sich davon, mit seinem stampfenden Diesel.
Ich nehme den Weg zur Autobahn, über die noch feuchten Wiesen. Sie
hört sich an wie Meeresrauschen, wie ferne Brandung.
Das kleine Band der Brücke, das dünne, filigran und endlos bis zum
Horizont, wächst mit jedem Schritt höher, bis über meinen Kopf.
Schon bald ragen die Säulen
der Talbrücke so hoch auf,
dass ich den Kopf in den Nacken legen muss.
um das Geländer zu erspähen.
Das Rauschen des Verkehrs
wird zum stürmischen Toben.
Dann tauche ich in den Brückenschatten
und die Stille übertönt alle Geräusche.
Nur ein feines, tiefes Trampeln bleibt, von den Rädern die sich dort
oben, in den Asphalt beissen auf, dem langen Weg nach Norden,
nur ab und an übertönt von den grossen Lastern,
die die kleinen Autos jagen,
oder von ihnen umschwirrt werden,
und von meinem Heimweh nach Hamburg.
Ich gehe unter der Autobahn entlang.
An der Uecker angekommen,
trete ich unter der Brücke heraus,
und nehme den Weg an ihrem Ufer entlang.
Je weiter ich gehe, desto mehr weicht der Autobahnlärm dem
Plätschern des Flusses, und springende Fische hinterlassen Spuren,
die als konzentrische Ringe das Ufer erreichen.
Eine Schnepfe fühlt sich von mir gestört,
meckert mich tschilpend an, um im nächsten Moment,
ob ihrer Keckheit selbst erschrocken,
die Flucht vor mir in die Luft anzutreten.
Ein Pulk Raben, oder Krähen,
die dies beobachtet hatten,
krähten sich blinzelnd zu, so,
als wollten sie die Kapriolen der Schnepfe verhöhnen.
Zwei verwegene Padler im Kajak kommen mir mit der Strömung entgegen,
kaum einmal ein Blatt eintauchend, um die Richtung zu kontrollieren.
Sie nicken mir zu und lächeln,
ich winke zurück und versuche
mir vorzustellen wie sie wohl
das Wehr weiter oben überwunden haben.
Schon kommt Nieden wieder in Sicht, der Neubau der Brücke. Die
langen Kräne wiegen sich in der frischen Brise, und ich stapfe
heimwärts.
Ich freue mich auf meinen knisternden Herd, auf dem ich mir einen
Kaffee kochen werde, um dann seine Temperatur mit Milch und Whisky,
auf ein trinkbares Mass zu reduzieren.
Es ist schön, das der Frühschoppen ausgefallen ist, ich habe die
schreiende Stille genossen, die Wege, auf denen mich sonst, Frau
oder Freund begleitet hatten.
Hamburg, 28.11.2006
Des Nebels Dunst
liegt drückend
hier auf Hamburgs Straßen
und trotzdem fühl' ich leicht mich,
und beschwingt.
Ich kann so schwer nur
von dir lassen.
Und Glück
ist's, was wie Lichtschein
mich umringt.
Ich steh' am Bushäuschen und grinse vor Glück, und weil voll Lust
ich deiner denk, und er wird hart.
Ich hör' am Telefon
die Stimme, die mich sanft
umschmeichelt; es ist deine und,
sie macht mich froh,
so kräftig und doch zart.
Die Gischt sprüht Nässe
von der Auto Reifen,
der Asphalt spiegelt Lichter,
und es weht,
ein feuchter Schleierhauch.
Und die Entfernung zwischen dir und mir am Telefon, zeigt mir wie
sehr ich deine Liebe brauch'.
Wie gerne würd' ich dich
gar jetzt umarmen,
und spüren deinen Körper warm,
dir streicheln Wangen, Lippen, Nase
und deine Haut erfühlen.
Wie gerne deiner Brüste
Knospen kosen, und überschütten dich
mit roten Rosen, damit
dein heißes Ffeisch mir
mein Gemüt kann kühlen.
Der Bus kommt, ich steig ein und mit den vielen Menschen, bin ich
atiein. So leb ich denn, in freudiger Erwartung auf den Tag, an dem
wir uns bald seh'n.
Oh glaub mir Kleines
kaum kann ich 's erwarten
dich mit den Armen zu umschlingen
und dich zu drücken an die Brust
das wir nie wieder auseinander geh'n.
So sei die Zukunft denn für uns, und nichts soll diese Kette
sprengen, verlässlich ein Familienbund, wollen wir uns schmieden,
Glück uns machen.
Und dann drauf achten, das die Bande sicher halten, zärtlich
miteinander sein, mit fröhlicher Kinderschar liebevoll über uns
wachen.
Hamburg 23.10.2001.
Mit dem Kopf gegen die Wand, der Zigarette Rauch im
Dunkeln. Blick, der nur leere Augen fand, die in der Kristallkugel
funkeln.
Endstation Wahnsinn, sie beschleunigt den Fall. Durch des Lebens
Irrsinn, seinen letzten Fall.
Laß uns Freunde bleiben, sie stand so da und sagte, alle Träume
müssen sterben. Als er warum fragte.
Er fiel tief und merkte, dass er niemals wirklich fest stand. Das er
die Hand zur Sonne streckte, doch das Glück rieselte wie Sand.
Irgendwo im freien Fall, in dieser lautlosen Gewalt. In der
Endstation Wahnsinn, sind seine stillen Schreie verhallt.
Hamburg 04.10.1986
Der fahle Strahl des Mondes zeigt graues Licht am
Himmel.
Er sitzt am Wegesrand,
und bauschige Wolken filtern Licht.
Am Zaun der alten Koppel, reibt sich der wilde Schimmel, der Wind
hält scharf Gericht.
Die ersten Nebelschwaden, ziehen von der Aue herauf,
sie kleben nass am Boden, Schwermut nimm deinen Lauf.
Die kalte Hand des Winters, kriecht dir im Nacken hoch. Du weisst,
die Zeit des Todes, kommt näher, Todes Loch,
Die Einsamkeit des Lebens, wird gnadenlos bewusst.
Du sitzt an Aue's Ufern,
und stehst den schwarzen Fluss.
Die träume zieh'n an dir vorbei, die, die vergessen werden, sie
zeigen dir, es ist umsonst, du wirst nicht unsterblich werden.
Der Tag sinkt nieder, nach arbeitssam' Geschäft,
und langsam kehret wieder, df'e Ruhe, die den Abend labt.
Die Kirchturmuhr schlägt, und die dunklen Schatten,
streifen um die Mauer,
als wenn sie sonst nichts hatten.
Und schlurfend ist ihr Schritt.
Nieden/MV 04.11.1998