Gedichte, Zitate & Werke von Theodor Storm, eigentlich Hans Thedor Woldsen Storm 1817 - 1888

Theodor Storm, eigentlich Hans Thedor Woldsen Storm

War ein deutscher Jurist und Schriftsteller der als Autor von Novellen und Prosa des deutschen Realissmus sehr bedeutend war.
geboren 14.09.1819 in Husum (Schleswig und Holstein), im heutigen Deutschland
gestorben 04.07.1888 in Hanerau-Hademarschen (Schleswig-Holstein), Deutschland

Zitate

"Das ist das Größte, was dem Menschen gegeben ist, dass es in seiner Macht steht, grenzenlos zu lieben."

Trost

So komme, was da kommen mag!
Solang du lebest, ist es Tag.

Und geht es in die Welt hinaus,
Wo du mir bist, bin ich zu Haus.

Ich seh dein liebes Angesicht,
Ich sehe die Schatten der Zukunft nicht.

Entstanden 1851, Erstdruck 1852

Und war es auch ein großer Schmerz,
Und wär's vielleicht gar eine Sünde,
Wenn es noch einmal vor dir stünde,
Du tät'st es noch einmal, mein Herz.

aus Tiefe Schatten

Mitunter weicht von meiner Brust,

Was sie bedrückt seit deinem Sterben;

Es drängt mich, wie in Jugendlust,

Noch einmal um das Glück zu werben.

Doch frag ich dann: Was ist das Glück?

So kann ich keine Antwort geben

Als die, daß du mir kämst zurück,

Um so wie einst mit mir zu leben.

Dann seh ich jenen Morgenschein,

Da wir dich hin zur Gruft getragen;

Und lautlos schlafen die Wünsche ein,

Und nicht mehr will ich das Glück erjagen.

Weiße Rosen

1

Du bissest die zarten Lippen wund,

Das Blut ist danach geflossen;

Du hast es gewollt, ich weiß es wohl,

Weil einst mein Mund sie verschlossen.

Entfärben ließt du dein blondes Haar

In Sonnenbrand und Regen; Du hast es gewollt, weil meine Hand

Liebkosend darauf gelegen.

Du stehst am Herd in Flammen und Rauch,

Daß die feinen Hände dir sprangen;

Du hast es gewollt, ich weiß es wohl,

Weil mein Auge daran gehangen.

2

Du gehst an meiner Seite hin

Und achtest meiner nicht;

Nun schmerzt mich deine weiße Hand,

Dein süßes Angesicht.

O sprich wie sonst ein liebes Wort,

Ein einzig Wort mir zu!

Die Wunden bluten heimlich fort,

Auch du hast keine Ruh.

Der Mund, der jetzt zu meiner Qual

Sich stumm vor mir verschließt,

Ich hab ihn ja so tausendmal,

Vieltausendmal geküßt.

Was einst so überselig war,

Bricht nun das Herz entzwei;

Das Aug, das meine Seele trank,

Sicht fremd an mir vorbei.

3

So dunkel sind die Straßen,

So herbstlich geht der Wind;

Leb wohl, meine weiße Rose,

Mein Herz, mein Weib, mein Kind!

So schweigend steht der Garten,

Ich wandre weit hinaus;

Er wird dir nicht verraten,

Daß ich nimmer kehr nach Haus.

Der Weg ist gar so einsam,

Es reist ja niemand mit;

Die Wolken nur am Himmel

Halten gleichen Schritt.

Ich bin so müd zum Sterben;

Drum blieb' ich gern zu Haus

Und schliefe gern das Leben

Und Lust und Leiden aus.

Geflüster der Nacht

Es ist ein Flüstern in der Nacht,

Es hat mich ganz um den Schlaf gebracht;

Ich fühl's, es will sich was verkünden

Und kann den Weg nicht zu mir finden.

Sind's Liebesworte, vertrauet dem Wind,

Die unterwegs verwehet sind?

Oder ist's Unheil aus künftigen Tagen,

Da emsig drängt sich anzusagen?