Gedichte & Werke von Stefan George 1868 - 1933
* der Autor Stefan George geb. am 12.7.1868 in Büdesheim, gest. am 04.12.1933 in Locarno
* der Autor Stefan George geb. am 12.7.1868 in Büdesheim, gest. am 04.12.1933 in Locarno
Wenn ich heut nicht deinen leib berühre
Wird der faden meiner Seele reissen
Wie zu sehr gespannte sehne.
Liebe zeichen seien trauerflöre
Mir der leidet seit ich dir gehöre.
Richte ob mir solche qual gebühre
Kühlung sprenge mir dem fieberheissen
Der ich wankend draussen lehne.
Löset von diesem brief sanft den knoten ?
Empfanget ohne groll meinen boten ?
Denket er käme von einem toten!
Als ich zuerst euch traf habt ihr gesprochen:
"Dort haust ein wurm der jeden feind verachtet"
Zu seinen klüften bin ich flugs gesprengt ?
Nach heissem ringen hab ich ihn erstochen ?
Doch seitdem blieb mein haar versengt -
Worob ihr lachtet.
"Ich hätte gern den turban des korsaren"
So scherztet ihr - ich folgte blind
Und bin aufs meer in lärm und streit gefahren ?
Mit meinem linken arme musst ich's büssen ?
Den turban legt ich euch zu füssen ?
Ihr schenktet ihn als spielzeug einem kind.
Ihr saht wie ich mein glück und meinen leib
In eurem dienst verdarb ?
Euch grämte nicht in fährden mein verbleib ?
Ihr danktet kaum wenn ich in sturm und staub
Euch ruhm erwarb
Und bliebet meinem flehen taub.
Nun leid ich an einer tiefen wunde ?
Doch dringt euer lob bis zur letzten stunde ?
Schöne dame ? aus meinem munde.
Sprich nicht immer
Von dem laub
Windes raub
Vom zerschellen
Reifer quitten
Von den tritten
Der vernichter
Spät im jahr.
Von dem zittern
Der libellen
In gewittern
Und der lichter
Deren flimmer
Wandelbar.