Gedichte, Werke & Zitate von Otto Julius Bierbaum 1865 - 1910

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* der Autor Otto Julius Bierbaum auch: Martin Möbius, geb. am 28.06.1865 in Grünberg/ Schlesien als Sohn eines Gastwirts und Konditor, 1889 Abbruch seines Jura- u. Philosophie-studiums (u.a. in Zürich, Leipzig, Dresden u. Berlin). Er lebte in München, Oberbayern, Berlin, Italien, Wien u. Dresden. Bierbaum verfasste vor allem Chansons, Erzählungen und satirische Romane. Er stirbt am 1.2.1910 in Kötzschenbroda/Dresden

Zitate

"Verloren ist, wer den Humor verlor." Glück auf die Reise! Aus: Der neubestellte Irrgarten der Liebe. Leipzig: Insel. 1906

CHRISTOPH, RUPRECHT, NIKOLAUS

Ich kenn drei gute, deutsche Gesellen

Mit großen Händen und Beinen schnellen;

Mit dicken Säcken auf breiten Buckeln

Stampfen sie eilig durchs Land mit Gehuckel;

Haben Eis im Bart Und grimmige Art,

Aber Augen gar milde;

Führn äpfel und Nüsse und Kuchen im Schilde

Und schleppen und schleppen im Huckepack

Himmeltausendschöne Sachen im Sack.

All drei sind früher Heiden gewesen.

Der erste heißt Christoph: Auserlesen

Hat er in einer eisgrimmigen Nacht

Das Christkind über Wildwasser gebracht.

Ruprecht der zweite ist genannt:

Der fuhr voreinsten übers Land

Tief nächten in Gespenstergraus

Als Heidengott. den Nikolaus,

Als wie der dritte ist geheißen,

Tät man als einen Bischof preisen.

Das ist nun all Legend und Mär,

Ich übernehme nicht Gewähr,

Dass just genau es so gewesen.

Habs nicht gesehn, habs nur gelesen.

Auf Schildereien jedermann

Die dreie freilich sehen kann.

Da ist der Ruprecht dick beschneet

Und derb gestiefelt fürder geht.

Drei äpfel trägt der Nikolaus,

Sieht väterlich und ernsthaft aus.

Und Christopher im langen Bart

Ist heidenmäßig dick behaart,

Hat einen roten Mantel an

Und ist ansonst ein nackter Mann.

Die dreie nun, dass ihr es wisst,

Verehre ich als Mensch und Christ.

Sie sind so lieb und ungeschlacht

Und ganz aus deutschem Mark gemacht.

Mildherzig rau, kratzhaarig lind,

Des deutschen Gottes Ingesind.

Die guten Knechte, reichen Herrn!

Sie dienen gern und schenken gern,

Wolln keinen Dank, wolln keinen Lohn,

Sind in sich selbst bedank lohnt schon.

Grüß Gott ihr dreie miteinand

Im lieben weiten deutschen Land!

Christoph, Ruprecht, Nikolaus!

Schüttet eure Säcke aus,

Schüttet sie mit Lachen,

Blickt mit hellen Augen drein

Und lasst wohl gesegnet sein

Eure Siebensachen.

Des Narren Regenlied

Regenöde, regenöde

Himmel, Land und See;

Alle Lust ist Last geworden,

Und das Herz thut weh.

Graugespinstig hält ein Nebel

Alles Sein in Haft,

Weher Mut weint in die Weiten,

Krank ist jede Kraft.

Die Prinzessin sitzt im Turme;

Ihre Harfe klingt,

Und ich hör, wie ihre Seele

Müde Sehnsucht singt.

Regenöde, regenöde

Himmel, Land und See;

Alle Lust ist Last geworden,

Und das Herz thut weh.

Wetterregeln des Bunten Vogels

(Meinem Vater und meiner Mutter.)

Januar

An Fabian und Sebastian

Geh in den Keller, dreh auf den Hahn.

Februar

Wenn es um Lichtmeß stürmt und tobt,

Sei Grogk und Punsch gleich hochgelobt.

März

Gute Dinge sind Märzen-Ferkel und Märzen-Fohlen,

Aber die meisten Märzlieder soll der Kuckuck holen.

April

So lange die Dichter schweigen vor Georgi und Markustag

So lange dichten sie hernach.

Mai

Warmer Mai:

Viel Stroh und Heu;

Ein paar Gedichte sind auch dabei.

Juni

Das erste Wetter brüllt,

Die erste Rose lacht,

Nun, bitt ich, Menschenkind,

Ein klar Gesicht gemacht!

Juli

Magdalene, Margarethe

Weinen gern allebeede.

Brauchst dir nichts daraus zu machen;

Andre Mädel giebts, die lachen.

August

Kräht der Dichter auf dem Mist,

Nennt er sich feierlich Naturalist,

Aber das Wetter bleibt doch, wies ist.

September

An Mariä Geburt

Fliegen die ersten Schwalben furt,

Aber am Geburtstag der lieben Frau

Werden auch die ersten Trauben blau.

Oktober

Nach dem Tag Sankt Gall

Bleib die Kuh im Stall,

Nach dem Tag Lukas

Bleib der Mann am Faß.

November

Sankt Martin:

Feuer im Kamin;

Nun singe mit Luthern:

Laß fahren dahin!

Dezember

Eis hängt an den Weiden,

So ists an der Zeit.

Hat sichs ausgeschneit,

Wirst du Palmen schneiden.

Ich ... war ... einmal

Oft weiß ich ganz genau: Ich ... war ... einmal;

Ich habe schon einmal all dies gesehn;

Der Baum vor meinem Fenster rauschte mir

Ganz so wie jetzt vor tausend Jahren schon;

All dieser Schmerz, all diese Lust ist nur

Ein Nochmals, Immerwieder, Spiegelung

Durch Raum und Zeit. - Wie sonderbar das ist:

Ein Fließen, Sinken, Untertauchen und

Ein neu Empor im gleichen Strome: Ich

Und immer wieder ich: Ich ... war ... einmal.

Charlotte

Charlotte, lotte, lotte,

Heißt meine Wäscherin,

Sie bringt mir selbst die Wäsche,

Weil ich ihr Liebster bin.

Und hat sie nichts zu bringen,

So kommt sie ohne was,

Kein Tag geht ohne Lotte,

Auf Lotte ist Verlaß.

Kommt ohne Hut und Schleier

Und hat auch kein Korsett;

Weil ich kein Sopha habe,

So setzt sie sich aufs Bett.

Ihr ahnt nicht, wie viel Schönes

Die kleine Lotte hat;

Ich habs schon oft gesehen

Und seh mich doch nicht satt.