Gedichte, Werke & Zitate von Otto Julius Bierbaum 1865 - 1910

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* der Autor Otto Julius Bierbaum auch: Martin Möbius, geb. am 28.06.1865 in Grünberg/ Schlesien als Sohn eines Gastwirts und Konditor, 1889 Abbruch seines Jura- u. Philosophie-studiums (u.a. in Zürich, Leipzig, Dresden u. Berlin). Er lebte in München, Oberbayern, Berlin, Italien, Wien u. Dresden. Bierbaum verfasste vor allem Chansons, Erzählungen und satirische Romane. Er stirbt am 1.2.1910 in Kötzschenbroda/Dresden

Zitate

"Verloren ist, wer den Humor verlor." Glück auf die Reise! Aus: Der neubestellte Irrgarten der Liebe. Leipzig: Insel. 1906

Lichtglaube An Karl Henckell

Gestern die Welt in Grau,
Rieselnder Regen troff,
Himmel und Erde ersoff;
Heute der Himmel blau.
Sonnenschein goldgüssig träuft,
Ueber die Halme läuft
Wogewind lau.
Zürnegotts Reich zerfällt!
Heiteres Heidentum
Leuchtet das Leidentum
Froh aus der fröhlichen Welt.
Siegendes Licht zerriß
Hockende Finsternis.
Alles erhellt!
 

(Paris, 16. Oktober 1900.)

Du sagst, du liebst mich. Oh, ich danke dir!
Zwar kenn ich dieses Wort als Lüge nur,
Doch klingt es süß, wie liebliche Musik,
Und gerne glaubt man, was so lieblich klingt.
Ich will es glauben, und ich bitte dich:
Nimm diesen Glauben als Entgegnung an.
Mir selber will das Wort "Ich liebe dich"
Nicht mehr vom Herzen auf die Lippen gehn.
Dem Boden, der von mitleidlosem Fuß
Zerstampft ward, dem der Bosheit dürre Hand
Salz in die Furchen streute, wollen Rosen nicht
Entblühen, - blasse Nesseln bringt er nur.
So sieht mein Garten aus, - ein Nesselbeet.
Willst du ihn lieben? Wunder sind geschehn!
Die Liebe ist die beste Gärtnerin.

 

Kühle

Alles das ist nur ein Träumen,
Und ich sollte nie erwachen:
Das wär schön.

Denn der Tag hat kalte Farben,
Und die Wahrheit geht in Wolle,
Rauh und grau.

Wirklichkeit, die alte Vettel,
Zückt schon ihre Klapperschere
Und sie grinst:
Weg die bunten Seidenbänder,
Weg die langen Ringellocken,
Weg den Tand!

Und ein kurzer Krampf im Herzen
Und das alte böse Lachen:
Siehst du wohl?

Schöne Mondfrau

Schöne Mondfrau, gehst du schlafen
Lächelnd und so munter,
Leise mit den Silberschafen
In die Nacht hinunter?

O und du im hellen Kleide,
Liebe Schehrazade,
Spielst du, dass die Nacht nicht leide
Deine Serenade?

Wandermüde, wandertrunken
Komm in meine Ruhe.
Blaue, weiche Sternenfunken
Küssen deine Schuhe.

Sieh, die Nacht ist s lebendig,
Voller Duft und Gnade.
In den Bäumen eigenhändig
Spielt sie sich die Serenade.
 

Das grüne Wunder

Mein Birkenhain stand weiß und kahl,

Die dünnen Stämmchen fror,

Da kam April und zauberte

Das Leben grün hervor.

Mit einem Schleier angethan

Steht nun mein Birkenhain;

Das grüne Wunder ist geschehn,

Nun laßt uns gläubig sein.

Nun laßt uns glauben wiederum,

Daß Leben Schönheit heißt:

Mein Birkicht ist ein Zauberwald,

In dem das Wunder kreißt.