Gedichte & Werke von Mechthild von Madgeburg 1207-1280

* der Autor Mechthild von Madgeburg geboren um 1207, gestorben um 1280, beschloss im Alter von 12 Jahren, ihr Leben Gott zu widmen. Das tat sie erst in der Gemeinschaft gleichgesinnter (und wohl gleichfalls adeliger) frommer Frauen in Madgeburg; dann als Nonne im berühmten Kloster Helfta bei Eisleben. 1250 hat sie begonnen, Texte über ihre Beziehung zu Gott zu schreiben, die uns heute unter dem Titel "Das fließende Licht der Gottheit" überliefert sind. Dieses Werk ringt mit der Frage, wie die Seele die umfassende Liebe Gottes richtig annehmen kann. Die Liebe zu Gott ist hier gedacht als allumfassende "unio mystica", als bräutliches Verschmelzen des eigenen Denkens und Fühlens mit Gott und als Hinausgehen über die sinnlich erfahrbare Welt. Das heißt aber nicht, dass die Gefühle und Erfahrungen dieser höheren Welt andere wären, als die, die wir kennen. Diese höhere Liebe zu Gott unter irdischen Bedingungen ist zugleich Glück und Qual, weil sie auf Erden niemals vollendet werden kann; sie ist "höchste Beseligung und tiefste Verlassenheit" (Vollmann-Profe). Auch wenn sie die Erscheinungen der irdischen Welt ablehnt, unterscheidet sich Mechthild dort, wo sie in Versen über ihre Liebe zu Gott schreibt, inhaltlich und formal nicht von weltlicher Liebeslyrik. Aber wie sollte sie auch: Sie geht vom gleichen Gefühl aus, von den gleichen literarischen Quellen und von den gleichen Gefühlen: Glück, Jubel - und immer wieder Ungenügen, Verlassensein und Schmerzen der Liebe.Die letztgenannten drei Gefühle wünschen wir Ihnen für diesen Monat eben nicht; stattdessen: Möge der Oktober für Sie noch golden sein!

Titellos

Mechthild von Madgeburg: "wie der von der minnen ist wunt, wirt gesunt" -
"Wie der, der von der Liebe verwundet ist, gesund wird"
(Auszug aus "Das fließende Licht der Gottheit", II,15;
übersetzung folgt nach dem Original)

XV. Wie der von minnen ist wunt, wirt gesund
Swelch mensche wirt ze einer stunt
Von warer minne rechte wunt,
der wirt niemer me wol gesunt,
er enkusse noch den selben munt,
von dem sin sel ist worden wunt.

[übersetzung]
XV. Wie der, der von der Liebe verwundet ist, wieder gesund wird
Jeder Mensch, der einmal
von wahrer Liebe tief verwundet wird,
der wird niemals mehr ganz gesund -
[es sei denn,] er küsst noch einmal den Mund,
von dem seine Seele wund wurde.