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Gedichte von Max Dauthendey »»
* der Autor Max Dauthendey
geb. am 25.Juli 1867 als jüngster Sohn wohlhabender Eltern in Würzburg, sein
Vater war ein bekannter Fotograf, in dessen Atelier der junge Dauthendey auf
Wunsch des Vaters von 1886 bis 1889 als Fotograf arbeitet, 1891 zieht er
nach Berlin, um dort zu dichten, nach 2 Jahren beginnt er ein ruheloses
Wanderleben u. bereist die gesamte Welt, bei seinem Aufenthalt in Java wird
er vom 1. Weltkrieg überrascht u. kann trotz emsiger Bemühungen vieler
Verwandter u. Freunde, darunter auch Romain Rolland u. Bernhard Shaw, nicht
heimkehren und stirbt an Malaria am 29. August 1918 in Malang/Java.
Das Laub, das im Sommer so rauschend sang
Das Laub, das im Sommer so rauschend sang,
Das Laub ist von den Bäumen gestiegen.
Voll stiller Blätter, gelb und braun,
Liegen noch stiller die stillen Wege.
Wie Duft von tausend Küssen und Tränen
Schweben Nässen über den Blättern,
Über den tausend herben Blättern,
Die nun sterben.
Ach, gibt es ein göttlicher Weh als
die Liebe,
Gibt es ein köstlicher Glück als ihr Leid,
Streift sie auch nur mit dem Finger Dein Kleid
Mitten im sinnlosen Straßengetriebe!
Liebe fühlt fein, wie ein Nackter im Grase,
Liebe im Aug' sieht den Winter noch grün,
Macht auch den Waffenlosen todkühn
Und trutzig Dein Herz zum Prellstein der Straße.
Mehr als die Weisen kann Liebe begreifen,
Liebe gibt tausend Glühlampen dem Geist,
Liebe hat alle Sternbahnen bereist,
Liebe ist rund um das Weltall ein Reifen.
Mit dem Liebe gerungen, der nur ist Ringer;
Wer um Liebe gelitten, der nur hat Ruhm;
Wer die Liebe verschwiegen, der nur war stumm;
Wer aus Liebe gesungen, der nur war Singer.
Von deinem Leib haben die Maienglocken ihren keuschen Geruch,
Die
Nachtigallen hast du heiß gemacht,
Ihr Gesang malt dein Bild.
Deine
Lippen sind wie Kleeblüten klein und süß an meinem Weg gewachsen,
Und drüber
glänzt dein Haar festlich
Wie bräutliche Hecken im Frühling.
Unsere Augen so leer,
Unsere Küsse so welk,
Wir weinen und
schweigen,
Unsere Herzen schlagen nicht mehr.
Die Schwalben sammeln
sich draußen am Meer,
Die Schwalben scheiden,
Sie kommen wieder,
Aber
nie mehr uns beiden.
Der Berg ist vom Gewitter umlauert, der Fluß steht fest wie angemauert.
Fluß
und Abend und Berg erwarten den flatternden Ritter,
Den ersten
Frühlingsblitz, von dem der Efeu im Garten
Im Vorgefühl schon rauschend
erschauert.
Auf der Pappelinsel im Fluß flüchten die Amseln scheu,
Als ob
bald die Insel im Blitzstrahl versinken muß,
Fällt der wie ein Schuß aus den
Bergen ins Tal.
Dann, mit Gewitterfurcht in den Rippen,
Hält manche die
Lippen hin zum ersten Kuß.