Lasset uns, ihr edlen Bayern
- Untertanen! Publikum! -,
Mit gehobnen
Herzen feiern
Dieses stolze saeculum!
Hühner-, Gäns- und
Heringsbrater,
Heute seid ihr zentenar!
Dank so manchem
Landesvater,
Der euch mild gewogen war.
Stier- und Sau- und
Ochsentreiber,
Heute fühlt euch vaterländ'sch!
Brezelfrauen!
Radiweiber!
Jedes alte Kuchelmensch!
Schweige jeder
Widersacher!
Denn noch blühen sie uns frisch:
Treue für die
Wittelsbacher,
Wiesenmaß und Steckerlfisch!
Nein! Noch ist es keine
Lüge,
Daß man treu und bieder denkt!
Hebet hoch die Literkrüge,
Mit
drei Quarteln eingeschenkt!
Protektion im Diplomaten-
Dienste!! Nein, wer so was sagt.
Man betrachte doch die Taten
Der Regierung, vor man klagt!
Freilich sind es nur Barone
Oder Grafen, die man nimmt, -
Aber das geschieht doch ohne
Absicht! Nein! Die Wahl bestimmt
Nur die Qualität des Geistes
Und Bewußtsein strenger Pflicht.
Das Verzeichnis nun beweist es,
Huber - Lehmann hat es nicht.
Doch ein Sohn der Itzenplitze,
Wenn ein Rindvieh auch obschon,
Er kommt immer an die Spitze, -
Aber ohne Protektion.
Der Vesuv, indem er speit, mit nichten
Darf man gegen ihn die Klagen richten,
Insofern ja die Besonderheit
Darin liegt, daß er mitunter speit.
Halten Sie den Vorwurf für ersprießlich?
Wenn man schon Vulkan ist, muß man schließlich;
Und man regnet Asche oder speit,
Ob die Menschheit auch betroffen schreit.
Aber dieses scheint gesagt zu werden
Doch am Platze: wenn sich auf der Erden
So was zubegibt, wie der Vesuv,
Trifft der Tadel den, der ihn erschuf.
Und man fragt mit Recht den Himmelsvater,
Ob es schön ist, wenn sich aus dem Krater
So viel Unglück auf die Täler stürzt,
Manchem auch die Lebenszeit verkürzt.
Weiter frägt der sonst im Glauben Schwache:
Fällt noch überhaupt kein Spatz vom Dache?
Oder hatte dieser Bibelsatz
Geltung nur für einen frühern Spatz?
Diese - sagen wir - Unstimmigkeiten
Können böse Zweifel uns bereiten.
War es zu verhindern, dächte man,
Warum speit dann der Vesuvvulkan?
Mir natürlich scheint noch viel verdächtig;
Der Vesuv ist lang schon niederträchtig.
Damals schien es eine Götterschar
Bei Pompeji, die so freundlich war.
Damals bat der Mensch in Aschenregen
Jupiter um den besondern Segen.
Heute bittet man Gott Zebaoth
Um die Rettung aus der bittern Not.
Also sieht man, daß die Glauben wechseln,
An die Götter, die das Unheil drechseln.
Der Vesuv jedoch bleibt auf dem Platz,
Und vom Dache fällt noch mancher Spatz.
Es gibt noch Leute, die sich quälen,
Aus denen sich die Frage ringt:
Wie wird der Deutsche nächstens wählen?
Wie wird das, was die Urne bringt?
Die Guten! Wie sie immer hoffen!
Wie macht sie doch ein jedesmal
Der Ausfall neuerdings betroffen!
Als wär' er anders, wie normal!
Wir wissen doch von Adam Riese,
Daß zwei mal zwei gleich vieren zählt.
Und eine Wahrheit fest wie diese
Ist, daß man immer Schwarze wählt.
Das Faktum läßt sich nicht bestreiten,
Auch wenn es noch so bitter schmeckt.
Doch hat das übel gute Seiten:
Es ruhet nicht auf Intellekt.
Man muß die Sache recht verstehen;
Sie ist nicht böse, ist nicht gut.
Der Deutsche will zur Urne gehen,
So wie man das Gewohnte tut.
Wer hofft, daß es noch anders würde,
Der täuscht sich hier, wie überall.
Die Schafe suchen ihre Hürde,
Das Rindvieh suchet seinen Stall.