Gedichte & Werke von Joachim Ringelnatz 1883- 1934

weitere Gedichte von Joachim Ringelnatz

* der Autor Joachim Ringelnatz War ein Schriftsteller und Maler. geboren am 7.8.1883 in Wurzen/Sachsen; gestorben am 17.11.1934 in Berlin

Gedicht Aus von Joachim Ringelnatz

Nun geh ich stumm an dem vorbei,
Wo wir einst glücklich waren,
Und träume vor mich hin: es sei
Alles wie vor zwei Jahren.

Und du bist schön, und du bist gut,
Und hast so hohe Beine.
Mir wird so loreley zumut,
Und ich bin doch nicht Heine.

Ich klappe meine Träume zu
Und suche mir eine Freude.
Auf daß ich nicht so falsch wie du
Mein Stückchen Herz vergeude.

Gedicht Kindersand von Joachim Ringelnatz

Das Schönste für Kinder ist Sand.

Ihn gibt's immer reichlich.

Er rinnt unvergleichlich

Zärtlich durch die Hand.

Weil man seine Nase behält,

Wenn man auf ihn fällt,

Ist er so weich.

Kinderfinger fühlen,

Wenn sie in ihm wühlen,

Nichts und das Himmelreich.

Denn kein Kind lacht

über gemahlene Macht.

Gedicht Neujahrsnachtfahrt von Joachim Ringelnatz

Wenn du nachts in ein Auto steigst

Und dir ist bang und winterlich zu Mut,

Und du dem Chauffeur die Richtung zeigst,

Und sagst: "Sie fahren gut."

Wenn du so den Kopf des Wagenlenkers lenkst,

Daß er's gar nicht gewahrt,

Wie du traurig bist und an Sterben denkst, -

Das ist nächtliche Fahrt.

Draußen leuchtet Volk und lacht und schießt.

Mitlächelnd denkst du fremdwärts still

An etwas, was du vom Flugzeug aus siehst,

An ein Flüßchen, das unter dir weit fließt

Sohin, dorthin, wo es muß; nicht will.

Aus: Gedichte dreier Jahre

Gedicht Was willst du von mir? von Joachim Ringelnatz

Möchtest du meine Frau werden,
Da meine Haare schon grau werden,
Schon größtenteils sind?
Möchtest du über mich lachen?
Soll ich dir Freude machen?
Oder ein Kind?

Willst du die Peitsche spüren?
Soll ich dich ausführen?
Brauchst du Geld oder einen Rat?
Willst du mit mir spielen?
Oder gefielen oder mißfielen
Dir Taten, die ich tat?

Warum bist du so still?
Soll ich dich beklagen?
Sag doch einmal: “Ich will……”
Oder sonst ein deutliches Wort.
Soll ich dich verjagen?
Ja. Geh zu!
Nein! – Du!
Bitte, bitte, geh nicht fort.

 

Gedicht Im dunklen Erdteil Afrika von Joachim Ringelnatz

Im dunklen Erdteil Afrika

Starb eine Ziehharmonika.

Sie wurde mit Musik begraben.

Am Grabe saßen zwanzig Raben.

Der Rabe Num'ro einundzwanzig

Fuhr mit dem Segelschiff nach Danzig

Und gründete dort etwas später

Ein Heim für kinderlose Väter.

Und die Moral von der Geschicht? -

Die weiss ich leider selber nicht.