Gedichte & Werke von Hugo Ball 1886 - 1927

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* der Autor Hugo Ball geb. am 22.2.1886 in Pirmasens. Nach dem Studium der Philosophie und Soziologie und einer abgebrochenen Dissertation über Nietzsche beginnt er 1910 eine Regieausbildung bei Max Reinhardt. 1912 wird er Dramaturg und Regisseur an den Münchner Kammerspielen und gehört zum Kreis des "Blauen Reiter". 1915 emigriert er mit Emmy Hennings in die Schweiz. In den Jahren 1916/17 ist er der führende Kopf der Züricher Dada-Bewegung und zusammen mit Emmy Hennings, Hans Arp, Richard Huelsenbeck und Tristan Tzara der Mitbegründer des Cabaret Voltaire, in dem die Veranstaltungen der Dadaisten stattfinden. 1917 verläßt er den Dada-Kreis und wendet sich später wieder dem Katholizismus zu. Er stirbt 1927 in Gentilino bei Lugano.

Katzen und Pfauen

baubo sbugi ninga gloffa

siwi faffa

sbugi faffa

olofa fafamo

faufo halja finj

sirgi ninga banja sbugi

halja hanja golja biddim

m?m?

piaűpa

mj?a

pawapa baungo sbugi

ninga

gloffalor

aus: Laut- und Klanggedichte

Das Gespenst

Gewöhnlich kommt es, wenn die Lichter brennen.

Es poltert mit den Tellern und den Tassen.

Auf roten Schuhen schlurrt es in den nassen

Geschwenkten Nächten und man hört sein Flennen.

Von Zeit zu Zeit scheint es umherzurennen

Mit Trumpf, Atout und ausgespielten Assen.

Auf Seil und Räder scheint es aufzupassen

Und ist an seinem Lärmen zu erkennen.

Es ist beschäftigt in der Gängelschwemme

Und hochweis weht dann seine erzene Haube,

Auf seinen Fingern zittern Hahnenkämme,

Mit schrillen Glocken kugelt es im Staube.

Dann reißen plötzlich alle wehen Dämme

Und aus der Kuckucksuhr tritt eine Taube.

Cimio

Ein roter Himmel von Bukarest nach Paris:

Dein Körper ist über und über voll schwarzer Augen.

Wir legen die Hände gegeneinander wie große Fächer, wenn wir uns lieben.

Dein Blinddarm ist krank, davon bist du sehr gelb.

Fliedersträuße wachsen aus deinen Ohren.

Dein ganzer Kopf ist voll Flieder. Aufgezäumt bist du mit Flieder.

Deine Augenwimpern zucken und schlagen gleich Schmetterlingsflügeln.

Deine Nase ist einer Klaviertaste sehr ähnlich.

Tanzende Hände hast du, Töchterchen.

Dein schmales Becken bewegt sich, wenn du an meiner Seite flatterst,

Sanftsüchtig gegen den Wind. Die großen glühenden Frauen liebst du.

In deinem Lächeln lallen Apachenlieder.

In Constanza heulte das Meer deinen Ohren.

Deine Finger stechen wie Dolche klirrende Glissandos in die Luft.

Deine Zunge ist roter Kopf einer Schlange, brennender Docht einer Lampe.

Auf deinem Schatten, Cimio, purzeln die kleinen Teufel

Wie schnalzende Fische, die man vom Bottich aufs Trockene schüttet.

Intermezzo

Ich bin der große Gaukler Vauvert.

In hundert Flammen lauf ich einher.

Ich knie vor den Altären aus Sand,

Violette Sterne trägt mein Gewand.

Aus meinem Mund geht die Zeit hervor,

Die Menschen umfaß ich mit Auge und Ohr.

Ich bin aus dem Abgrund der falsche Prophet ,

Der hinter den Rädern der Sonne steht.

Aus dem Meere, beschworen von dunkler Trompete,

Flieg ich im Dunste der Lügengebete.

Das Tympanum schlag ich mit großem Schall.

Ich hüte die Leichen im Wasserfall.

Ich bin der Geheimnisse lächelnder Ketzer.

Ein Buchstabenkönig und Alleszerschwätzer.

Hysteria clemens hab ich besungen

In jeder Gestalt ihrer Ausschweifungen.

Ein Spötter, ein Dichter, ein Literat -

Streu ich der Worte verfängliche Saat.

Mein Dämon

Mein Dämon hat keine Brüder und Schwestern.

Mein Dämon ist nicht von heute und gestern.

Als Gott, der Herr, die Welten machte,

Saß mein Dämon dabei im Grase und lachte,

Schnitt sich die Zehennägel entzwei

Und sah an der ganzen Welt vorbei