Gedichte & Werke von Gerrit Engelke 1890 - 1918

* der Autor Gerrit Engelke geb. am 25.12.1616 in Breslau, als Sohn eines kaiserlichen Kammerrats, Gymnasium in Breslau u. Danzig, 1637 Jura-Studium in Leiden, dort lernt er Gryphius kennen, Bildungsreisen führen ihn durch die Niederlande, England, Frankreich u. Italien, ab 1642 wieder in Breslau, 1643 Heirat, 1646 Ratsherr in Breslau, als politischer Gesandter der Stadt wird er mehrfach am Wiener Hof tätig, 1657 bekommt er vom Kaiser den Titel eines Kaiserlichen Rats, er stirbt am 18.04.1679 in Breslau

Alles in Dir

In Dir, o Mensch, ist alles:
In Dir ist der Schlaf und das Wache:
In Dir ist die Zeit.
Und ohne Dich ist keine Zeit.
In Dir ist die Zeit
Und die Fülle der Zeit:
Der qualmende Dampfer,
Die rollende Bahn,
Der eiserne Lärm
Und das Schweigen des Domes.
Der Stein und der Mörtel:
Das Haus und die Stadt.
In Dir ist die Fülle
Des zeitlichen Werkes.

In Dir, o Mensch, ist alles:
Die mordende Hand
Und das Künstler-Gehirn, –
Das ruchlose, stinkende Wort
Und das schwellende, schwebende Lied.
Die Liebe um Liebe:
Die Liebe der männlichen Stärke
Zu weiblicher Weichheit.
Und trübe verzehrende Liebe

Der Gleichen zu Gleichem.
Ist Beides in Dir:
Der Gott und das Böse.

In Dir, o Mensch, ist Alles:
Das trinkende Ohr
Und der Antworten speiende Mund.
Der nehmende Mund
Und der scheidende Darm –
Der bohrende Keim
Und der schwellende Schoß:
Der aufsaugende Anfang,
Das ausbrechende Sein.
Ist Beides in Dir:
Der schäumende Anfang,
Das reifende Ende,
Das Ende,
Das wieder nur Anfang,
Ist Alles, o Alles in Dir!

Katzen

Bleib noch länger goldnes Dämmern -
Wie wird der Tag schon matt und blauer -
Verstummt ist Lärm und Werkstatthämmern.
Die Nacht liegt auf der Lauer -

Der Schlüssel schließt die Häusertore.
Nun Wandrer meide die dunkle Mauer -
Das Licht ist aus - es klingt im Ohre -
Liegen Strolche auf der Lauer? -

Hinauf die knarrenden Windeltritte.
Die Gasse wäscht ein Regenschauer.
Bald nahen im Schlafe weiche Schritte:
Der Traum liegt auf der Lauer