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* der Autor Georg Trakl
Geboren am 3.02.1887 als Sohn eines wohlhabenden Eisenhändlers in Salzburg.
Nach Abbruch der Schule versucht er sich erfolglos als Pharmazeut. Zu Beginn
des 1. Weltkrieges geht er als Militärapotheker an die Front. Aufgrund
seiner Erlebnisse während der Schlacht bei Groden, erleidet er einen
Nervenzusammenbruch. Neben G. Heym, E. Stadler u. F. Werfel gehört er zu den
bedeutendsten Vertretern des deutschen Frühexpressionismus. Das inzestuöse
Verhältnis zu seiner Schwester Margarethe fand in zahlreichen Gedichten
seinen Niederschlag. In seiner von Baudelaire u. Rimbaud beeinflussten
Dichtung dominieren Metaphern der Trauer und des Weltekels. Seine Lyrik ist
geprägt von Resignation Untergangsahnung. Er stirbt am 3.11.1914 im
Feldlazarett bei Krakau an einer überdosis Kokain, nachdem er zuvor schon
einige Male erfolglos versucht hatte, sich umzubringen.
Confiteor
Die bunten Bilder, die das Leben malt
Seh’ ich umdüstert nur von Dämmerungen,
Wie kraus verzerrte Schatten, trüb und kalt,
Die kaum geboren schon der Tod bezwungen.
Und da von jedem Ding die Maske fiel,
Seh’ ich nur Angst, Verzweiflung, Schmach und Seuchen,
Der Menschheit heldenloses Trauerspiel,
Ein schlechtes Stück, gespielt auf Gräbern, Leichen.
Mich ekelt dieses wüste Traumgesicht.
Doch will ein Machtgebot, daß ich verweile,
Ein Komödiant, der seine Rolle spricht,
Gezwungen, voll Verzweiflung – Langeweile!
Ein Winterabend
Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
lang die Abendglocke läutet,
vielen ist der Tisch bereitet
und das Haus ist wohlbestellt.
Mancher auf der Wanderschaft
kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
Golden blüht der Baum der Gnaden
aus der Erde kühlem Saft.
Wanderer tritt still herein;
Schmerz versteinerte die Schwelle.
Da erglänzt in reiner Helle
auf dem Tische Brot und Wein.
Im Hof, verhext von milchigem Dämmerschein,
Durch Herbstgebräuntes weiche
Kranke gleiten.
Ihr wächsern-runder Blick sinnt goldner Zeiten,
Erfüllt
von Träumerei und Ruh und Wein.
Ihr Siechentum schließt geisterhaft sich
ein.
Die Sterne weiße Traurigkeit verbreiten.
Im Grau, erfüllt von
Täuschung und Geläuten,
Sieh, wie die Schrecklichen sich wirr
zerstreun.
Formlose Spottgestalten huschen, kauern
Und flattern sie
auf schwarz-gekreuzten Pfaden.
O! trauervolle Schatten an den
Mauern.
Die andern fliehn durch dunkelnde Arkaden;
Und nächtens
stürzen sie aus roten Schauern
Des Sternenwinds, gleich rasenden Mänaden.
Wanderer im schwarzen Wind; leise flüstert das
dürre Rohr
In der Stille des Moors. Am grauen Himmel
Ein Zug von wilden Vögeln folgt;
Quere über finsteren Wassern.
|Aufruhr. In verfallener Hütte
Aufflattert mit schwarzen Flügeln die Fäulnis;
Verkrüppelte Birken seufzen im Wind.
Abend in verlassener Schenke. Den Heimweg umwittert
Die sanfte Schwermut grasender Herden,
Erscheinung der Nacht: Kröten tauchen aus silbernen Wassern.
Am Abend liegt die Stätte öd und braun,
Die Luft von gräulichem Gestank durchzogen.
Das Donnern eines Zugs vom Brückenbogen -
Und Spatzen flattern über Busch und Zaun.
Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut,
In Gärten Durcheinander und Bewegung,
Bisweilen schwillt Geheul aus dumpfer Regung,
In einer Kinderschar fliegt rot ein Kleid.
Am Kehricht pfeift verliebt ein Rattenchor.
In Körben tragen Frauen Eingeweide,
Ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Räude,
Kommen sie aus der Dämmerung hervor.
Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut
Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter.
Die Föhne färben karge Stauden bunter
Und langsam kriecht die Röte durch die Flut.
Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt.
Gebilde gaukeln auf aus Wassergräben,
Vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben,
Die mit den warmen Winden steigt und sinkt.
Aus Wolken tauchen schimmernde Alleen,
Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern.
Dann sieht man auch ein Schiff auf Klippen scheitern
Und manchmal rosenfarbene Moscheen.