Wär ich berühmt, der Liebe würd ich rüsten
Ein Meer der Feste, mich den Gluten betten,
Wie Möwen ruhen mit den weißen Brüsten,
Wenn sich der Brandung hohe Wogen glätten.
Wie Götter von dem Weihrauch trunken sind,
Und roter Wein von ihrem Kranze taut,
Aus meinem Atem strömte heiß der Wind
Wie Flammen tönend, Liebe jeder Laut.
Die Himmel wohnten in der Liebe Schweigen,
Wenn ihre Fackeln von dem Harze rauschen.
Und wir zum zarten Tone ferner Geigen
Das starke Gift der stolzen Küsse tauschen.
Dem Ozean der Träume hingegeben,
Den sonngen Inseln der Zwei-Einsamkeit,
Wo große Schwäne uns zu Häupten schweben,
Sirenen, singend alter Liebe Leid.
- Wär ich berühmt - Nun hocke ich beim Licht
Der trüben Lampe. Und des Morgens Schein
Zeigt mir der Krankenschwester grau Gesicht,
Die hinschlürft über feuchten Pflasters Stein.
Spitzköpfig kommt er über die Dächer hoch
Und schleppt seine gelben Haare nach,
Der Zauberer, der still in die Himmelszimmer steigt
In vieler Gestirne gewundenem Blumenpfad.
Alle Tiere unten im Wald und Gestrüpp
Liegen mit Häuptern sauber gekämmt,
Singend den Mond-Choral. Aber die Kinder
Knien in den Bettchen in weißem Hemd.
Meiner Seele unendliche See
Ebbet langsam in sanfter Flut.
Ganz grün bin ich innen. Ich schwinde hinaus
Wie ein gläserner Luftballon.
Wir lagen tief in einer Dünenschlucht,
Bei Himbeersträuchern, sahn die Kämme nur
Der hohen Dünen, und der Sonne Spur,
Der Mittagsstunden langsam ziehnde Flucht.
Das Blut empfing den Kuß der Sonne tief,
Der ganze Leib empfing die warme Flut,
o welch ein Glück, da in der Sonne Glut,
Im goldnen Licht das ferne Leid entschlief.
Und langsam sang die Stille uns in Schlaf,
Wir hörten's kaum noch, wenn der Wind vom Meer
Der Schiffer Stimmen trug zu uns einher,
Und selten Hufschlag noch das Ohr uns traf.
Wie Götter ruhten wir im goldnen Raum.
Des Winds Oboen, und des Sandes Klingen,
Der Halme Zittern, und der Bienen Singen,
Sie klangen leise in den süßen Traum.
Und manches Mal erwachten wir vom Schrei
Der weißen Möwen, der zu Häupten klang,
Und wenn der Wellen Brausen lauter drang
Im aufgefrischten Winde uns herbei.
Dann sahen wir ins tiefe Himmelsblauen.
o weites Reich, das unser Blick durchflog!
Ein Silberwölkchen nur im Lichte zog,
Dianas Bogen war es gleich zu schauen.
Schwarzblau der Alpen, und der kahlen Flur,
Die Südsturm drohn. Mit Wolken tief verhangen
Ist grau das Feld. Ein ungeheures Bangen
Beengt den Tag. Den Atem der Natur
Stopft eine Faust. Hinab die Lombardei
Ist Totenstille. Und kein Gras, kein Baum.
Das Röhricht regt kein Wind im leeren Raum.
Kein Vogel streift in niedrer Luft vorbei.
Fern sieht man Wagen, wo sich langsam neigt
Ein Brückenpaar. Man hört den dumpfen Fall
Am Wasser fort. Und wieder droht und schweigt
Verhängnis dieses Tags. Ein weißer Ball,
Die erste der Granaten. Und es steigt
Der Sturm herauf des zweiten Prairial.
Wer hätte das gedacht!
Das kam wohl über Nacht.
Denn als ich aufgewacht,
Da warst auf einmal du
Mein kleiner Herztyrann.
Sieh doch mal einer an,
Was Amor alles kann.
Schon weiß ich, was ich tu,
Damit du gnädig bist,
Und mich nicht gleich vergißt:
Ich mach dir dies Gedicht.
Ich hoff, es ist so schlicht,
So süß und zart wie du.