Gedichte, Zitate & Werke von Friedrich Rückert 1788 - 1866

* der Autor Friedrich Rückert, Pseudonym Freimund Reimar war deutscher Dichter, übersetzer und Orientalist geb. am 16.5.1788 in Schweinfurt, nach dem Besuch des Gymnasiums studiert er ab 1805 Jura und Philologie in Würzburg und Heidelberg, 1811 habilitiert er, er hält Vorlesungen über griechische und orientalische Mythologie, wird Gymnasiallehrer und Privatgelehrter. In Stuttgart und Coburg arbeitet Rückert auch als Redakteur. 1826 wird er Professor der orientalischen Sprachen in Erlangen und erhält auch eine Professur in Berlin. Im Dezember 1833 erkranken alle sechs Kinder Rückerts an Scharlach. Am 31. Dezember 1833 stirbt Rückerts jüngstes Kind und einzige Tochter Luise. Am 16. Januar 1834 stirbt Rückerts Sohn Ernst. Die übrigen vier Kinder erholten sich von der Krankheit. 1848 zieht er auf das Gut seiner Frau. Rückert stirbt am 31.1.1866 in Neuses bei Coburg

Zitate

"Lass dir diesen Mut nicht rauben: Du musst an dich selber glauben, wenn du etwas leisten willst."

"Prahl nicht heute: Morgen will ich dieses oder jenes tun. Schweige doch bis morgen, sage dann: Das tat ich nun."

"O wünsche nichts vorbei und wünsche nichts zurück! Nur ruhiges Gefühl der Gegenwart ist Glück."

"Das sind die Weisen,
die durch den Irrtum zur Wahrheit reisen.
Die bei dem Irrtum verharren,
das sind die Narren."

"Am Abend wird man klug für den vergangenen Tag, doch niemals klug genug für den, der kommen mag."

"Nicht der Mensch hat am meisten gelebt, welcher die höchsten Jahre zählt, sondern derjenige, welcher sein Leben am meisten empfunden hat."

"Weißt, wo es keinen Herrn, und keinen Diener gibt? Wo eins dem anderen dient, weil eins das andere liebt."

"Tu, was du kannst, und lass das andre dem, der es kann, zu jedem ganzen Werke gehört ein ganzer Mann."

"Im selben Maß du willst empfangen, musst du geben: Willst du ein ganzes Herz, so gib ein ganzes Leben."

"Wer niemals träumt, verschläft sein schönstes Leben."

"Lass deine Zunge gleich der Zunge sein der Waage, Kind, wo sie stille steht, ist ihre beste Lage."

"Dein Auge kann die Welt trüb oder hell dir machen, wie du sie ansiehst, wird sie weinen oder lachen."

"Schlägt dir die Hoffnung fehl,
nie fehle dir das Hoffen!
Ein Tor ist zugetan,
doch tausend sind noch offen."

"Wahres und Gutes wird sich versöhnen, wenn sich beide vermählen im Schönen."

"Besser laut ein kurzer Zank als lang heimlich zankhaft."

"Glück hilft nur manchmal, Arbeit immer."

Geh'! du kannst ja doch nicht bleiben

Geh'! du kannst ja doch nicht bleiben;
Warum willst du gleich nicht gehn?
Warum willst du länger leiden,
Ringen noch mit Todeswehn?
Geh', der Schwester nachzueilen,
Laß sie so allein nicht gehn!
Willst du nicht das Bettchen theilen,
Das ihr dort ist ausersehn?
Säumst du lang? An ihrer Seiten
Wird das Plätzchen dir entgehn;
Denn viel Knäbchen deinesgleichen
Sind's, die jetzo schlafen gehn.
Und es wird dir keines weichen,
Deinetwegen keins aufstehn,
Wenn sie ihm den Platz bereiten
Neben deinem Schwesterchen.
Helfen wird dir dann kein Streiten,
Dann wird helfen dir kein Flehn,
Daß du sagest: Rück' bescheiden!
Denn ich bin das Brüderchen.
Darum lieber geh' beizeiten,
Weil es einmal muß geschehn!
Und es wird uns Trost ertheilen,
Wenn wir auf den Kirchhof gehn,
Ja, es wird das Herz uns heilen,
Wenn bei Frühlingslüfte-Wehn,

Eingefaßt von Blumenzeilen
Wir dort eure Gräber sehn
So vereint, wie eure beiden
Bettchen in der Kammer stehn:
Auch der Tod kann euch nicht scheiden,
Ihr zwei Unzertrennlichen!

 

Das Jahr

In einem Lande möcht' ich wohnen,
Wo der Natur gesetzter Zwang
Hinwandeln läßt durch glüh'nde Zonen
Des Jahres unverrückten Gang;
Wo nach des Winters Regengüssen
Ein langer fester Sommer kommt
Und auch die Menschen fühlen müssen,
Daß nicht ein wirrer Wechsel frommt.

??? Und wäre das mir nicht beschieden,
So möcht' ich wohnen an dem Pol,
Wo eines tiefen Winters Frieden
Ich mir ließ auch gefallen wohl;
Da muß des Menschen Geist versenken
Sich können in des Daseins Schacht
Und still sich nach den Sternen lenken
In ewig heller Winternacht.

??? Unselig ist der Mitte Schwanken,
Dem hier wir unterworfen sind,

Wo Stunden wechseln wie Gedanken
Und die Gedanken wie der Wind;
Wo keine ruhige Entfaltung
Erlaubt des Jahrlaufs wilde Hast
Und in verworrner Welthaushaltung
Mensch und Natur hat nirgends Rast.


Die Liebe sprach

Die Liebe sprach: in der Geliebten Blicke

Mußt du den Himmel suchen, nicht die Erde,

Dass sich die bessre Kraft daran erquicke

Und dir das Sternbild nicht zum Irrlicht werde.

Die Liebe sprach: in der Geliebten Auge

Mußt du das Licht dir suchen, nicht das Feuer,

Dass dir's zur Lamp' in dunkler Klause tauge,

Nicht dir verzehre deines Lebens Scheuer.

Die Liebe sprach: in der Geliebten Wonne

Mußt du die Flügel suchen, nicht die Fesseln,

Dass sie dich aufwärts tragen zu der Sonne,

Nicht niederziehn zu Rosen und zu Nesseln.