Gedichte & Werke von Friedrich Hölderlin 1770 - 1843

*der Autor Friedrich Hölderlin geb. am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar, besucht Klosterschulen in Denkendorf u. Maulbronn, dort bereits erste dichterische Versuche, beeinflusst von Christian Daniel Schubart, Edward Young, Friedrich Gottlieb Klopstock und Friedrich von Schiller, anschließend Theologiestudium in Tübingen, verfasst anfangs Hymnen die unter dem Eindruck intensiven Naturerlebens stehen, später mischen sich, resultierend aus den Ereignissen der Franz. Revolution, unterstützt von seinen Freunden Schelling und Hegel, zu dem idealistisch-politische Töne in seine Dichtung, 1790 Magisterexamen, 1794 Begegnung mit Schiller, Hofmeister bei Charlotte von Kalb in Weimar, 1796 Hauslehrer bei dem Frankfurter Bankier Gontard, tiefe Zuneigung zu dessen Frau Susette, 1798 Bruch mit den Gontards, es folgen Jahre rastloser Wanderschaft u. innerer Unruhe, 1807 wird er nach einjährigem Aufenthalt in der Tübinger Heilanstalt als unheilbar entlassen, die restlichen vier Jahrzehnte seines Lebens fristet er geistig umnachtet unter der Obhut einer Tischlerfamilie, er stirbt am 7. Juni 1843 in Tübingen.

Sonnenuntergang

Wo bist du? trunken dämmert die Seele mir
Von aller deiner Wonne; denn eben ist’s,
Dass ich gelauscht, wie, goldner Töne
Voll, der entzückende Sonnenjüngling

Sein Abendlied auf himmlischer Leier spielt’;
Es tönten rings die Wälder und Hügel nach.
Doch fern ist er zu frommen Völkern,
Die ihn noch ehren, hinweggegangen.

Die Liebenden

Trennen wollten wir uns, wähnten es gut und klug;
Da wir’s taten, warum schröckt’ uns, wie Mord, die Tat?
Ach! wir kennen uns wenig,
Denn es waltet ein Gott in uns.

Die Eichbäume

Aus den Gärten komm ich zu euch, ihr Söhne des Berges!
Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich,
Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen
Menschen zusammen.
Aber ihr, ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen
In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel,
Der euch nährt' und erzog, und der Erde, die euch geboren.
Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen gegangen,
Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel,
Unter einander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute,
Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken
Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet.
Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels
Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen.

Könnt ich die Knechtschaft nur erdulden, ich neidete nimmer
Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben.
Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich,
Das von Liebe nicht läßt, wie gern würd ich unter euch wohnen!

 

Griechenland

Wie Menschen sind, so ist das Leben prächtig,

Die Menschen sind der Natur öfters mächtig,

Das prächtge Land ist Menschen nicht verborgen,

Mit Reiz erscheint der Abend und der Morgen.

Die offnen Felder sind als in der Ernte Tage,

Mit Geistigkeit ist weit umher die alte Sage,

Und neues Leben kommt aus Menschheit wieder,

So sinkt das Jahr mit einer Stille nieder.

Mit Untertänigkeit

Scardanelli.

Den 24t. Mai 1748.