Gedichte & Werke von Friedrich Freiherr von Logau 1604 - 1655

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*der Autor Friedrich Freiherr von Logau geb. im Januar 1605 oder Juni 1604 in Schlesien. Verfasser von satirischen Sinngedichten (Dt. Sinn-Getichte Drey Tausend, 1654); herausragender Epigrammatiker des Barock; Mitglied der 'Fruchtbringenden Gesellschaft'. Er starb am 24. (oder 25.) Juli 1655 in Liegnitz.



Verdächtige Sachen

Ein versöhnter Feind,
Ein erkauffter Freund
Sind zu einer Brücke
Ungeschickte Stücke.

Sich selbst besiegen

Sich selbselbsten überwinden ist der allerschwerste Krieg;
Sich selbselbsten überwinden ist der allerschönste Sieg.

Das Leben

Hier ist deß Lebens Schatten; dort ist der Leib deß Lebens.
Man greiffe nach dem Leibe, zum Schatten ists vergebens.

An die Frauen

Krieg hat der Männer Zahl gemindert
Und Menschen-Wachsthum sehr verhindert.
Ihr Weiber sollt hier Rath zu schaffen,
Die Sinnen recht zusammen raffen
Und euch fein rund und kurtz erklären,
Ob ihr stets Zwilling wolt gebären,
Sonst oder Männern nicht verargen,
Daß sie nur nicht mit einer kargen.
 

Bücher

Es ist mir meine Lust, bei Toten stets zu leben,
Mit denen um und um, die nicht seyn, seyn gegeben,
Zu fragen, die sind taub, zu hören, die nichts sagen,
Und die, die haben nichts, sehr viel hingegen tragen,
Zu halten lieb und werth. Ich bin auff die beflissen,
Die mir viel gutes thun und doch von mir nichts wissen;
Ich halte diese hoch, die mich nur an nicht sehen;
Die manchmal mich mit Ernst verhöhnen, schelten, schmähen,
Sind meine beste Freund. Und solt ich die begeben,
Eh geb ich alle Welt, eh geb ich auch das Leben.