Gedichte & Werke von Cäsar Flaischlen 1864 - 1920
* der Autor Cäsar Flaischlen geboren am 12. Mai 1864 in Stuttgart, gestorben am am 16. Oktober 1920
* der Autor Cäsar Flaischlen geboren am 12. Mai 1864 in Stuttgart, gestorben am am 16. Oktober 1920
Sei auf der Hut, bei Nacht ... wenn du
im Dunkeln
tappst, am Brückensteg, und arglos deinen Arm legst
um die Liebste und sie mit heißem Kusse an dich
ziehst ...
sei auf der Hut: die dunkeln Nächte am dunkeln
Strandsteg haben tausend Augen und gönnen euer
Glück nicht ihr noch dir!
Und wähnt ihr noch so sicher euch ... ganz in der
Ferne, draußen auf den Wassern lauert was ... von
Menschen her ... mit kaltem weißem Licht ... taghell
aufleuchtend plötzlich
und trifft es euch mit seinem jähen Schein, wenn
ihr in kinderseliger Wonne aneinanderhängt,
dann ists vorbei:
mit tausend Fingern zeigt es aus dem Dunkel
und kichert hämisch eure Liebe tot.
Als ob ein Toter im Grabe müd und wund
nach Leben riefe,
sucht mein Lied sich zu dir mit klagendem Mund
aus dunkler Tiefe.
Laß lauschen dein Ohr, deine Seele dem Klang
meiner Zither:
für dich, für dich nur gilt mein Gesang ...
so süß, so bitter.
Ich singe von goldlichter Augen Pracht
voll süßem Frohlocken,
von selig vergessendem Traum in der Nacht
schwarz wallender Locken.
Als ob ein Toter im Grabe müd und wund
nach Leben riefe,
sucht mein Lied sich zu dir mit klagendem Mund
aus dunkler Tiefe.
Und ich sing von der wonnigen Wundergestalt
deiner Glieder,
in schlaflosen Nächten voll Sehnsucht umwallt
ihr Duft mich wieder.
Und ich denke der Glut deiner Küsse dazu,
mich entseelend,
und der Lust, mit der du mich quältest, o du ...
mein Engel! mein Elend!
Laß lauschen dein Ohr, deine Seele dem Klang
meiner Zither:
für dich, für dich nur war, was ich sang ...
so süß, so bitter!
Tiefstiller dunkler Schlaf
sinkt über meinen Tag,
daß ich nichts hoffen
mehr,
nichts fürchten mag!
Das ganze Leben ...
ich entsinne mich
kaum,
war es froh, war es traurig?!
Alles wird Traum ...
Es ist
eine Wiege,
von heimlicher Hand
leise geschaukelt
an
Grabesrand!
Still! ... Still!
aus: übertragungen nach Paul Verlaine
Weil dir ein goldener Traum
zerronnen,
was hast du drum für herbe Qual?!
es ist doch nicht das erste Mal,
daß dich enttäuscht, was du begonnen!
Den Kopf hoch! auf! wozu verzagen
kleingläubig gleich und hoffnungslos?!
dein Mut schien doch so riesengroß,
das Letzte selber kühn zu wagen!
Auf drum und weiter! ohne Bangen!
und wenn's dir noch soviel entlaubt!
Wer will und an sein Können glaubt,
wird immer an sein Ziel gelangen!