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*die Autorin Betty Paoli
geb. am 30.12.1814 als Tochter eines ungarischen Adeligen u. einer Belgierin
in Wien, eigentlich: Babette Elisabeth Glück, sie stammte aus ärmlichen
Verhältnissen u. verdiente sich in jungen Jahren ihren Lebensunterhalt u.a.
als Erzieherin in Russland u. Polen, 1832/33 veröffentlichte sie erste
Gedichte in Prager und Wiener Zeitungen, sie war als Sprachlehrerin u.
übersetzerin (u.a. von Puschkin u. Turgenjew) tätig, von 1841-43 als
Gesellschafterin im Hause des Philanthropen u. Schriftstellers Josef
Wertheimer, wo sie u.a. Adalbert Stifter, Franz Grillparzer u. Nikolaus
Lenau kennenlernte, 1849-52 hielt sie sich im Ausland auf, sie lebte ab 1852
meist in Wien u. war Literatur- u. Kunstkritikerin des 'Wiener Lloyd' u. der
"österreichischen Zeitung' in Wien u. betätigte sich auch als
Burgtheater-Referentin,? zusammen mit ihrer Freundin Ida von Fleischl war
Paoli später kunstkritische Beraterin Marie von Ebner-Eschenbachs, von der
sie gezielt gefördert wurde, Grillparzer nannte sie den "ersten Lyriker
österreichs", sie starb am 5.7.1894 in Baden bei Wien.
Und weil ich einst in dunkelsel'ger Stunde
Dir weihte meines Lebens Lust und Gram,
Weil gottbegeistert ich von deinem Munde
Der Liebe süß bestrickend Wort vernahm,
Weil meine Brust an deiner hat gelegen,
Weil einst dein Haupt geruht in meinem Schooß,
Und weil als frommer, heil'ger Liebessegen
Auf deine Stirne meine Thräne floß;
Weil du verstanden meiner Pulse Beben,
Weil einst mein Kuß geglüht auf deiner Hand,
Weil ich ein Theil einst war von deinem Leben
Und weil du mich einst deine Braut genannt: –
So wird fortan in allen künft'gen Tagen
Hoch über allem Schmerz und aller Lust,
Dein Bild als ew'ge Pyramide ragen,
In der Sahara meiner tiefsten Brust.
Wohl oft verhilft der Zeit zu grausen Siegen
So manches Herz durch schnöden Selbstverrath;
Doch meines wird ihr nimmer unterliegen –
Es hat mehr Flammen, als sie Asche hat!
Wohl oft erstirbt an bittrer Nichterhörung
Die Liebesglut in einer Thräne Naß;
Doch meine lebt gesichert vor Zerstörung,
Denn noch viel stärker ist sie, als dein Haß!
An Fürstin Caroline Wittgenstein.
Der Dichter wandelt einsam durch das Leben!
So ist es und so war's zu allen Zeiten.
Entsagung nur darf ihm zur Seite schreiten,
Wenn holde Bande sich um And're weben!
Doch ein Ersatz ist ihm dafür gegeben:
Daß Herzen ihm, in unbekannten Weiten,
Entgegen schlagen und wie Harfensaiten
Vom Hauche seiner Lieder sanft erbeben.
Und wurden solche Freunde dir zu Theil,
Betrachte sie als höchste Schicksalsspenden,
Die für kein flücht'ges Gut der Erde feil!
Zweifach gesegnet ist, der sie gewann!
Denn in dem stillen Gruß, den sie ihm senden,
Fängt auch bereits die Nachwelt für ihn an!
Vor allen deinen Schwestern
Gepriesen seist du mir
Du, die so heut wie gestern
Des Gartens blüh'nde Zier.
Die, wenn die andern lange
Den letzten Duft verstreut,
In freud'gem Lebensdrange
Sich immerfort erneut!
Laß sie nur prunkend stehen
Und hauchen würz'gen Brand!
Sie blühen und verwehen,
Du aber hast Bestand.
Du rankst an welken Hagen
Und zauberst unserm Blick
Noch in des Herbstes Tagen
Den Rosenmond zurück. –
Mir spiegelt sich in jenen
Das Glück, das lockend gleißt
Und, wenn wir's unser wähnen,
Sich unserm Arm entreißt;
In dir der stete Segen,
Den mild ein guter Geist
Auf unsern Erdenwegen
Uns still begleiten heißt.
Hold tritt er uns entgegen,
Wenn bang die Seele ringt,
Der unscheinbare Segen,
Den jeder Tag uns bringt!
Ich hoffte einst auf schöne Tage
Und lauschte mit erschloss'ner Brust
Der mährchenhaften Wundersage
Von ewig heitrer Liebeslust.
In jugendfrohem Uebermuthe
Glaubt' ich von jedem Glück und Gute,
Daß es mir zugewiesen sei -
Es ist vorbei!
Und als der fromme Wahn entschwunden,
Da fleht' ich, stolz auf meine Qual:
Bleibt ewig offen, meine Wunden,
Als unvergänglich Liebesmahl.
Und mußten Freud und Glück verwehen,
So soll mein heil'ger Schmerz bestehen,
Daß Eines doch unsterblich sei - -
Es ist vorbei!
Wenn Mehlthau auf die Blume fiel,
??? Da sinkt sie ohne Hoffen,
Und ward
ein Baum des Blitzes Ziel,
??? Stürzt er, zu Tod getroffen.
Und wenn
in einer Menschenbrust
??? Erregt die Qualen werden,
Da ist ihr's innig
tief bewußt,
??? Daß Heilung nicht auf Erden.
Dem Baum, der Blume wird
sofort
??? Bald stille Ruh' gegeben,
Das Menschenherz allein lebt
fort
??? Sein täglich sterbend' Leben.
Fragen möcht' ich dich mit süßem Bangen,
Wie sich deine Lieb' zu mir verloren?
Nach dem Höchsten durftest kühn du langen
Und statt seiner hast du mich erkoren!
O ich ahne, was dich an mich bindet:
In den Liebesketten, die dich halten,
Sieht mein Auge und mein Herz empfindet
Deiner Großmuth königliches Walten.
Weil von Sturmesgrimm und Wetterstrahle
All mein Sein versengt, versehrt, verschüttet,
Hast du auf das blüthenlose, fahle,
Deiner Seele Frühlingshort geschüttet.
|Weil du mich gebeugt, entweiht vom Leben
In der dunkeln Menge aufgefunden,
Hast du, mich zu dir emporzuheben,
Lichte Kronen um mein Haupt gewunden.
Zu dem Wesen wolltest du dich wenden,
Dem versagt blieb jede Glückesgabe,
Daß es reich sei nur durch deine Spenden,
Daß es dir allein zu danken habe.
Daß es, im Bewußtsein dieses Bundes
Wie die Opferflamme liebentbrenne
Daß es leb' vom Hauche deines Mundes,
Daß es dein sei, wie ich dein mich nenne