Deckt noch der Schlaf dein Auge zu,
Mein Liebster? O, um süßer dich zu denken,
Laß ich die Trunkenmacherin, die Ruh,
Aus ihrem Kelch mich minder tränken.
Du wachst vielleicht, durch Glockenschlag
Aus sanfter Ruh, aus süßem Schlaf gestöret,
Ich wache, weil mein Herze Nacht und Tag
In sich laut deinen Namen höret.
In Schwiebus 1742
Vergnügte Einsamkeit! du bist die Ruhe,
So meine stille Brust sich längst erwählet,
Was ich hier unternehm, gedenk und thue,
Das wird der Weltcensur nicht aufgestellt;
Bin ich gleich stets allein und ganz verborgen,
So bleibt mein freier Sinn doch ungekränkt:
Ich lebe höchst content und ohne Sorgen,
Weil mir die Einsamkeit Vergnügen schenkt.
Es giebt verschiedene Art von Lustbarkeiten,
So die galante Welt höchst schätzbar preist;
Doch wenn mans überlegt sinds Eitelkeiten,
Drum sag ich noch einmal: mein freier Geist
Ehrt mit gelaßnem Muth die stillen Stunden,
So das Verhängniß mir hier zugezählt,
Es wird auch in der That sonst nichts gefunden,
Das mehr Vergnügen giebt und mir gefällt.
So magst du denn o Welt, das Eitle loben,
Geh mache dir Pläsir wie dirs beliebt,
Mir ist die größte Lust noch aufgehoben,
Die dort das höchste Gut den Seelen giebt.
Ach ich verlache nur das Weltgetümmel,
Indem mein Herze sich die Losung setzt:
Mein bester Theil mein Schatz ist noch im Himmel,
Und hier ist Einsamkeit was mich ergötzt.
Milon, gestern war ich selig,
Wie ein Sonnenbürger ist:
Ach mein Auge hat unzählig
Diese Stirne sanft geküßt,
Die der Mahler kaum so göttlich
Mahlen wird, als du sie hast.
Mache mir doch künftig spöttlich
Nicht die Tage mehr zur Last -
O was hab ich ausgestanden,
Als Zemire ward gespielt,
Und mich deine Blicke fanden,
Und ich nicht den Trost erhielt,
Daß du in der Nähe bliebest.
Sage mir, warum du so
Meiner Seele Kummer liebest?
Sprich, warum dein Fuß entfloh,
Daß ich deiner vollen Schläfe
Feine Locken nicht mehr sah?
Denke nur, wie mir geschah,
Fast als ob ein Blitz mich träfe,
Weinen wollt ich eine Fluth,
Durfte nicht und mussts ersticken.
Schmerz durchflammete mein Blut,
Wehmut saß in meinen Blicken,
Bis Zemirens Rose kam,
Und ich meine Rosen dachte,
Und der gar zu schwere Gram
Sich durch Thränen leichter machte.
Du kennst den Grund der Festungswerke.
Mit einem Blicke messest du
Der Schanzen und der Mauern Stärke;
Doch meine Muse ruft dir zu:
So wahr, als Friedrich unvergessen
Bewundert wird in später Zeit,
So wahr ist dies Unmöglichkeit
Des Herzens Tiefen auszumessen.
Sei klug, bedenke dich so schlau
Wie einst Ulysses ist gewesen,
Nie wirst du der verschmitzten Frau
Verborgenste Gedanken lesen.
Sie decket ihre feinste List
Mit Blumen zu, bis du gefangen
Gleich einem Dohnenvogel bist.
Sie schmachtet, seufzt, netzt ihre Wangen
Mit Thränen, die sie künftig weint.
Sie nennt dich oft in einer Stunde
Wohl tausendmal den besten Freund,
Und schwört mit schmeichlerischem Munde
Beim Grabmal ihres Vaters, bei
Den Sternen und bei allen Göttern,
Bei Sonnenschein und Donnerwettern,
Daß ihr dein Kuß noch süßer sei,
Als Süßigkeit von jungen Bienen;
Und zaubert dich mit holden Mienen
An ihre giftbestrichne Brust
Und nennt dich ihre größte Lust,
Den ersten Abgott ihrer Seele,
Den reichsten Jüngling von der Welt,
Den Menschen, der in einer Höhle
Mehr ihren Augen wohlgefällt,
Als Prinzen, die so fein nicht fühlen
Im Prunksaal und auf goldnen Stühlen
Und einer sammtbezognen Bank.
Sie stellt sich gar vor Liebe krank,
Und redet nur gebrochne Töne.
O sanfter Jüngling, glaub es nicht:
Es ist die Stimme der Syrene,
Die ausstudirte Worte spricht.