Wein! ich möchte dich bald haßen,
Ich bin deiner Allmacht feind,
Denn du willst mir meinen Freund
Immer nicht vom Becher lassen.
Du bist meiner Freuden Dieb,
Könnt ich dich doch ganz verachten.
Milon hat dich gar zu lieb,
Und mich läßt er schmachten. -
Loben wollt ich die Begier,
Wein zu trinken halbe Nächte,
Wenn mein Milon nur mit mir
Manchen Abend zechte;
Aber nun trinkt er den Wein<
Ha ihr Männer, ha ihr Zecher,
Amor jag euch von dem Becher
Durch die Pfeile, die im Köcher
Aufgesammlet sind zur Pein
Aller Herzenbrecher.
Zanken will ich nicht und klagen,
Aber eins muß ich dir sagen:
Du, der du
mein Herz gewannst,
Milon, der du mich bewirthen
Durch ein freundlich
Lächeln kannst,
Du verschmähtest jüngst die Myrthen,
Weil du dich nicht
drauf besannst,
Daß dein Weigern mich betrübte,
Ach du wustest nicht, daß
ich
In die Veilchen mich verliebte,
Welche zum Beneiden sich
Dir ans
Herz gelegt befanden,
Tauschen wollt ich gern mit dir,
Und du hast mich
nicht verstanden.
Diese Veilchen wären mir
Heiliger noch als die
andern,
Die dein Diener mir gebracht;
Und sie sollten mit mir
wandern
In des finstern Grabes Nacht.
O wie kannst du das
verachten,
Was dir meine Liebe beut;
Kannst du nicht mein Herz
betrachten
Bei der Blumen Kleinigkeit?
Pflücke du mir auf dem
Platze,
Wo dein Fuß zu wandeln pflegt,
Blümchen, die der Grasraum
trägt,
Und ich mache sie zum Schatze.
Gänseblümchen nähm ich an,
Und
ein Zweigchen von den Bäumen,
Die ein jeder nutzen kann;
Wo in
lügnerischen Träumen
Sich der arme Kriegesmann
Ausgestreckt am Tische
weidet,
Und noch hungert, wenn er wacht,
Und den Reichen noch
beneidet,
Der sich Promenaden macht. -
Solch ein Zweigchen, du mein
Lieber!
Brich mir im Begegnen ab,
Und ich freue mich darüber,
Weil mirs
Milon gab
Du, dessen Auge nichts verräth
Vom Stolze, den so manche Brust bewirthet,
Durch Ordensbänder aufgebläht,
Womit sie ward umgürtet.
O A*! Dein Herz verschließt
Sich nimmer, wenn die Freuden Dich umgeben,
Der Weise braucht sie, und versüßt
Sich gern dadurch das Leben.
Dich reizt Dein Landgut, wenn im May
Die Vögel aus den schattigen Gebüschen
Mit eines Schäfers Feldschalmei
Ihr tonreich Lied vermischen.
|Und deine Rinderheerde satt
Im Blumenthal beim Bache lieblich brüllet:
Jezt aber reizt Dich Friedrichs Stadt
Mit Spiel und Tanz erfüllet.
Jezt ladet Dich der Singe-Saal
Des Helden ein, der über andre glänzet,
Wie Phöbus, wenn der goldne Strahl
Sein lokkigt Haupt bekränzet
Die Sterne ringsumher beschämt;
Hier herrschen hohe königliche Freuden,
Und selbst der Bürger, der sich grämt,
Verstaunt hier seine Leiden;
Vergißt den Mangel, der ihn drückt,
Und stürzt sich mit der zahlenlosen Menge
Ans Schauspielhaus, und wird erquickt
Vom Wohlklang der Gesänge.
Auch Du betäubest jezt in Dir
Des Ländereibesitzers kleinste Sorgen,
Bald aber lokket Dich von hier
Der Hornungs erster Morgen,
An welchem sich die Lerche schon
Hoch über Deine Saatenfelder schwinget,
Da sagt Dir ihrer Hymnen Ton
Mehr als der Sänger singet,
Dem Menschenkunst die Noten schrieb,
Und Könige zu ihrer Lust gedungen;
Der ungerührt bei Trillern blieb,
Die jedes Ohr durchdrungen:
Und einer Orgelpfeife gleicht
Die schmeichlerisch den Hörer überwindet,
Und bis zu Thränen ihn erweicht
Und selber nichts empfindet.
Eine Traumfabel
Am weidenreichen Spreegestade,
Wo die gesicherte Najade
Ihr lockigt Haupt noch stolzer trug,
Seitdem in Sachsenland Held Heinrich Feinde schlug;
Am Spreegestade kroch aus einem holen Baum
Ein Skorpion, das glaubt man kaum.
Giebts zu Berlin auch Skorpionen?
Ich dachte, daß sie nur in heißen Ländern wohnen.
Mein Leser, höre doch, ich sah ihn nur im Traum.
Er kroch am Ufer hin und wieder,
Und sah, von bittern Neid bewegt,
Ins grüne Schilf scheelsüchtig nieder
Auf ein Geschöpf, das sich mit breitem Schilde trägt,
Und schmackhaft ist am Fleisch, und nach dem Tode glänzet
In seinem Deckel schön polirt.
Der Skorpion mit Gift zum Schadenthun geschwänzet
Von der Natur, und nicht geziert
Mit bunten Flecken, wie die Schlangen,
Der Skorpion kroch an das Schilf
Und sprach: dir Freundin sey geklaget mein Verlangen,
Dort übern Strome will mein Bruder mich umfangen,
Und schwimmen kann ich nicht; du aber kannst, ach hilf
Mit deinen Rudern mir herüber!
Die Kröte mit dem Schilde spricht:
Gefälligkeit ist meine Pflicht,
Und kein Geschäfte war mir lieber
Als dies; mein Schild ist breit genug.
Sie sprichts: er setzt sich auf und da sie nun getreulich
Den giftigen Verräther trug,
Schwamm eine Gans daher und schlug
Mit beiden Flügeln auf, und schrie: das ist abscheulich!
Jetzt flößt dir guten Schwimmerin
Der, den du trägst, das Gift im Rücken.
Verdammter! sprach hierauf die treue Trägerin,
Mich panzert die Natur zu sehr vor deinen Tücken,
Dein Gift floß schadlos in den Fluß;
Sey du ihm nachgestürzt! Hier tauchte sie ihn nieder
Der Skorpion hat noch viel Schwestern und viel Brüder.
O daß nicht jeder Mensch nach dem Verräther Kuß,
Den er gegeben hat, also ersaufen muß!
Ob Weizen reift zu Semmel oder Kuchen,
Darüber sorgt der Säugling nicht,
Der einen Busen weiß zu suchen,
Und lallend mit der Amme spricht.
Er bittet nicht um Regen oder helle
Vom Lerchenchor durchsungne Luft,
Wenn selbst die halbversiegte Quelle
Zum Jupiter um Nässe ruft,
Er kennet keine Güter, des Bestrebens,
Des Wunsches seiner Seele werth,
Ihm ist das ganze Glück des Lebens
Die volle Brust, die ihn ernährt.
Nach ihr verlangt er heißer als die Schaaren
Der Römer bey dem Marc Anton
Nach Wasser, als sie schmachtend waren,
Und kämpfend vor den Parther flohn.
An diese Brust fällt er mit größerm Geize
Als ein verliebter Jünglingsmund
An Lippen, die durch ihre Reize
Sein junges Herze machten wund.
Und wenn er nun dies erste Glück verlieret
Und seinen ersten Kummer weint,
Wird seine Mutter tief gerühret,
Mit ihm zur Traurigkeit vereint.
Es dünkt ihr hart, den Säugling so zu quälen,
Und doch ists ein nothwendig Muß:
So weislich läßt der Himmel fehlen
Uns Größern oft den Ueberfluß.
Er thät es nie, wenn nicht Sein Auge wüßte,
Was jedem Menschen nützlich sey,
Er nimmt die Nahrung unsrer Lüste
Und legt uns etwas Beßres bey.