Gedichte & Werke von Angelus Silesus 1624 - 1677

* der Autor Angelus Silesus bürgerlicher Name: Johann Scheffler, geb. 1624 in Breslau, gest. 1677

Dein Kerker bist du selbst

Die Welt, die hält dich nicht, du selber bist die Welt,
Die dich in dir mit dir so stark gefangen hält.

Gewinn ist Verlust

Der Reiche dieser Welt, was hat er für Gewinn?
Daß er muß mit Verlust von seinem Reichtum ziehn.

18. Die geistlichen Jahreszeiten

Der Winter ist die Sünd, die Buße Frühlingszeit,
Der Sommer Gnadenstand, der Herbst Vollkommenheit.

Die Welt ist im Frühling gemacht

Im Frühling ward die Welt verneut und wiederbracht,

Drum sagst du recht, daß sie im Frühling ist gemacht.

Die Gleichheit

Ich weiß nicht, was ich soll; es ist mir alles ein:

Ort, Unort, Ewigkeit, Zeit, Nacht, Tag, Freud und Pein.

Nichts ist ihm selber

Der Regen fällt nicht ihm, die Sonne scheint nicht ihr,

Du auch bist anderen geschaffen und nicht dir.

Der Mensch

Das größte Wunderding ist doch der Mensch allein:

Er kann, nach dem er's macht, Gott oder Teufel sein.

Die Unruh kommt von dir

Nichts ist das dich bewegt / du selber bist das Rad /

Das auß sich selbsten laufft / und keine Ruhe hat.

Titellos

Im Winter ist man tot, im Frühling steht man auf,

Im Sommer und im Herbst verbringt man seinen Lauf.

aus: Cherubinischer Wandersmann